Wer alte Spielesammlungen auf dem Dachboden entdeckt oder seine Retro-Kollektion gezielt reduziert, steht vor einer entscheidenden Frage: Wie und wo verkauft man Retro-Spiele, um wirklich gutes Geld zu bekommen? Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Verkauf kann beim gleichen Spiel leicht 50 bis 200 % betragen – je nachdem, welche Plattform, welche Präsentation und welches Timing man wählt. Dieser Guide erklärt Schritt für Schritt, was erfahrene Sammler wissen und Einsteiger oft erst teuer lernen müssen.
Vorbereitung: Zustand und Vollständigkeit bestimmen den Preis
Bevor auch nur ein Foto gemacht wird, sollte jedes Spiel sorgfältig vorbereitet werden. Schmutz, Staub und Fingerabdrücke reduzieren nicht nur den optischen Eindruck – sie signalisieren Käufern mangelnde Pflege und drücken den Preis spürbar.
Module und Cartridges lassen sich mit einem leicht angefeuchteten Mikrofasertuch reinigen. Hartnäckige Verschmutzungen auf den Kontakten behandelt man vorsichtig mit Isopropylalkohol (90 % oder höher) und einem Wattestäbchen. CD-Oberflächen niemals kreisförmig reiben – immer von der Mitte nach außen polieren, um Kratzer entlang der Datenspuren zu vermeiden.
Entscheidend für den Wert ist der Vollständigkeitsstatus. In der Sammlersprache unterscheidet man drei Stufen:
- Sealed (originalverpackt, ungeöffnet): Höchste Kategorie – oft das Vielfache des normalen Marktpreises
- CIB – Complete in Box (mit Originalkarton, Anleitung und allen Beilagen): Deutlich wertvoller als lose Module
- Loose (nur Modul oder Disc ohne Verpackung): Gängig, aber günstigste Kategorie
Eine detaillierte Erklärung, wie diese Kategorien den Wert konkret beeinflussen, findest du im Guide: Retro-Spiele bewerten: CIB, lose Module, Sealed.
Marktpreise richtig recherchieren – keine Schätzungen
Der häufigste Fehler beim Retro-Verkauf: Den Preis nach Gefühl festlegen. Wer zu hoch ansetzt, verkauft nie. Wer zu niedrig ansetzt, verschenkt Geld. Die Lösung ist eine kurze, aber konsequente Marktrecherche vor dem Einstellen.
Der verlässlichste Referenzwert ist der tatsächlich erzielte Verkaufspreis auf eBay – nicht die Angebotspreise, die jeder nach Belieben setzen kann. Unter „Erweiterte Suche“ lässt sich bei eBay die Option „Abgeschlossene Angebote“ aktivieren – dort sieht man, was wirklich bezahlt wurde. Grün markierte Preise bedeuten: verkauft. Rot markiert: nicht verkauft.
Für eine realistische Einschätzung sollte man mindestens 5 bis 10 abgeschlossene Verkäufe des gleichen Titels im gleichen Zustand und in derselben Region auswerten und einen Mittelwert bilden. Abweichungen nach oben entstehen oft durch besonders überzeugende Fotos, lückenlose Beschreibungen oder seltene Varianten.
Für internationale Richtwerte und historische Preisentwicklungen ist PriceCharting.com eine nützliche Ergänzung – dort lässt sich auch ablesen, ob ein Titel gerade im Aufwind oder Abwind ist.
Die besten Verkaufsplattformen im Vergleich
Nicht jede Plattform passt zu jedem Spiel und zu jeder Situation. Wer die Stärken der einzelnen Kanäle kennt, trifft die klügere Wahl.
eBay
Die größte Reichweite im deutschsprachigen Raum. Ideal für seltene Titel, die einen spezifischen Käufer benötigen. Auktionen können bei begehrten Titeln die Preise deutlich nach oben treiben – können aber auch unter Wert enden, wenn das Listing zu einem ungünstigen Zeitpunkt ausläuft (etwa sonntagmorgens früh statt sonntagabends zwischen 19 und 21 Uhr, wenn die meisten aktiven Bieter online sind). Fixpreisangebote mit der Option „Bestes Angebot“ sind für häufig vorhandene Titel oft effizienter als Auktionen.
eBay berechnet eine Verkaufsprovision auf den Endpreis inklusive Versandkosten – das sollte beim Preisansatz berücksichtigt werden.
Kleinanzeigen
Gut für Bündelverkäufe und lokale Abgabe ohne Versandrisiko. Preise liegen typischerweise 10 bis 20 % unter eBay-Niveau, dafür keine Plattformgebühren und keine Pakete packen. Für wertvolle Einzelstücke ist die Käufergruppe bei Kleinanzeigen zu eingeschränkt – dort überwiegen Schnäppchenjäger.
Spezialisierte Ankäufer und Fachhändler
Retro-Fachhändler wie Adler Kontor bieten den unkompliziertesten Weg: keine Listingarbeit, keine Käuferprobleme, keine Versandabwicklung, sofortige Abwicklung. Der Ankaufspreis liegt naturgemäß unter dem Einzelverkaufspreis auf eBay – dafür ist der Aufwand minimal und das Risiko gleich null. Besonders sinnvoll bei größeren Sammlungen, bei denen Einzelverkauf Wochen oder Monate in Anspruch nehmen würde.
Retro-Messen und Flohmärkte
Direkter Kontakt zur Sammler-Community. Spontankäufer zahlen oft faire Preise, wenn die Ware ordentlich präsentiert ist. Standgebühren und Zeitaufwand müssen einkalkuliert werden. Messen sind besonders geeignet für seltene Ware, die online schwer bewertet werden kann – hier können Sammler direkt prüfen und entscheiden.
Produktfotos die Käufer überzeugen
Bei Retro-Spielen gilt eine einfache Regel: Ein schlechtes Foto kostet 20 bis 40 % des möglichen Verkaufspreises. Käufer können den Zustand nicht in die Hand nehmen – sie verlassen sich vollständig auf die Bilder.
Praktische Regeln für überzeugende Produktfotos:
- Neutraler Hintergrund: Weiß oder hellgrau, kein gemusterter Teppich oder unruhige Umgebung
- Gleichmäßiges Tageslicht: Fenster seitlich, kein direktes Gegenlicht, keine harten Schatten
- Alle Seiten dokumentieren: Front, Rückseite, Modul oder Disc separat, Anleitung, Schachtelzustand an allen Ecken und Kanten
- Mängel klar zeigen: Kratzer, Knicke, Wasserflecken – besser ehrlich zeigen als Rücksendung kassieren
- Ausreichende Auflösung: Mindestens 1200 × 900 Pixel, scharf und ohne Zoom-Unschärfe
Beschreibung: Was Käufer wirklich wissen wollen
Eine gute Produktbeschreibung beantwortet alle Fragen, die ein Käufer stellen könnte, bevor er sie stellen muss. Das reduziert Rückfragen, gibt Vertrauen und beschleunigt den Verkauf.
Diese Informationen gehören immer in die Beschreibung:
- Plattform und Region (z.B. SNES, PAL, Deutschland)
- Vollständigkeitsstatus (Sealed / CIB / Loose – mit genauen Angaben was fehlt)
- Genaue Zustandsbeschreibung inklusive aller Mängel
- Funktionszustand (getestet und funktionstüchtig?)
- Versandoptionen und ob eine Versicherung bei wertvollen Titeln enthalten ist
Gebühren und Versandkosten nicht vergessen
Wer beim Verkaufspreis nur auf den gewünschten Erlös schaut, macht einen typischen Anfängerfehler. Plattformgebühren, Versandkosten und Verpackungsmaterial fressen einen Teil des Erlöses.
Faustregel für die Kalkulation: Bei eBay-Verkäufen etwa 12 bis 15 % des Endpreises für Plattformgebühren einplanen. Dazu kommen je nach Paketgröße 4 bis 8 € Versandkosten und Verpackungsmaterial. Bei einem Spiel das für 30 € verkauft wird, bleiben nach Abzug oft nur 22 bis 24 € tatsächlich übrig.
Tipp: Bei wertvollen Einzeltiteln immer versicherten Versand wählen. Ein verlorenes oder beschädigtes Paket ohne Versicherung ist ein vollständiger Verlust.
Timing: Wann lohnt sich Verkaufen mehr?
Retro-Spiele haben saisonale Preisschwankungen. Wer das kennt, kann denselben Titel zur richtigen Zeit 15 bis 25 % mehr erlösen.
Beste Verkaufszeiträume:
- Oktober bis Dezember: Weihnachtsgeschäft sorgt für die höchste Nachfrage und die besten Preise des Jahres
- Januar: Weihnachtsgeld ist frisch und Gutscheinempfänger sind aktiv auf der Suche
- Runde Jubiläen: Wenn eine Konsole oder ein Franchise ein Jubiläum feiert, steigt das Interesse sprunghaft
Schwächere Zeiträume: Sommer- und Osterferien bringen weniger aktive Käufer und tendenziell niedrigere Preise. Wer nicht unter Zeitdruck steht, wartet mit dem Einstellen bis September oder Oktober.
Sammlungen: Bündeln oder einzeln verkaufen?
Eine häufig gestellte Frage: Verkauft man besser als Paket oder Stück für Stück? Die Antwort hängt vom Wert der Einzeltitel ab.
Faustregel: Enthält die Sammlung mehrere seltene oder begehrte Titel, lohnt Einzelverkauf fast immer. Der Gesamterlös kann zwei- bis dreimal so hoch sein wie bei einem Paketangebot. Enthält die Sammlung überwiegend häufige Mainstream-Titel, ist ein Paketverkauf an einen Fachhändler oft effizienter – der Aufwand für Einzelverkauf übersteigt den möglichen Mehrerlös.
Ein praktischer Mittelweg: Die wertvollsten 20 % der Sammlung einzeln verkaufen, den Rest als Paket oder an einen Ankäufer abgeben. So maximiert man den Erlös ohne unverhältnismäßigen Aufwand.
Vorsicht vor Fälschungen: Nicht unwissentlich Repros verkaufen
Wer reproduzierte Module oder gefälschte Cartridges als Original anbietet – auch ohne es zu wissen – riskiert Rücksendungen, negative Bewertungen und rechtliche Probleme. Deshalb gilt: Vor dem Verkauf prüfen, besonders bei günstigen Einkäufen aus unbekannten Quellen.
Detaillierte Erkennungsmerkmale für Fälschungen und Repros: Gefälschte Retro-Spiele: Repro-Module sicher erkennen.
Zubehör mitverkaufen: Unterschätztes Potenzial
Originale Controller, Netzkabel, Videokabel, Memory Cards und weiteres Zubehör sind gefragter als viele denken – besonders wenn sie zum jeweiligen Konsolensystem passen. Eine SNES-Konsole mit zwei originalen Controllern, Netzteil und Scart-Kabel erzielt deutlich mehr als eine nackte Konsole ohne Zubehör. Dasselbe gilt für Game Boy mit Original-Tasche oder PlayStation 1 mit Memory Card und Multitap.
Mehr zum Sammlerwert von Retro-Zubehör: Retro-Zubehör-Guide 2026: Controller, Adapter und Kabel mit Sammlerwert.
Fazit: Vorbereitung und Plattformwahl entscheiden
Retro-Spiele verkaufen ist kein Hexenwerk – aber wer unvorbereitet loslegt, lässt Geld liegen. Die wichtigsten Hebel sind: gründliche Vorbereitung des Zustands, realistische Preisrecherche anhand tatsächlich erzielter eBay-Preise, überzeugende Fotos und die richtige Wahl der Verkaufsplattform je nach Titel und Aufwandsbereitschaft. Für schnelle, unkomplizierte Abwicklung ohne Eigenaufwand bietet sich ein spezialisierter Ankäufer an.
Das hängt davon ab, wie viel Aufwand du bereit bist zu investieren. eBay erreicht die größte Käufergruppe und erzielt oft die höchsten Preise, erfordert aber Listingarbeit und Versandabwicklung. Für schnellen, unkomplizierten Verkauf ohne Eigenaufwand bietet sich ein spezialisierter Ankäufer wie Adler Kontor an.
Die verlässlichste Methode: eBay-Suche mit der Option „Abgeschlossene Angebote“. Wenn ein Titel dort selten erscheint und trotzdem hohe Preise erzielt, ist er gesucht. Ergänzend helfen internationale Sammlerdatenbanken wie PriceCharting.com für historische Preisentwicklungen.
Ja, erheblich. Bei vielen begehrten SNES-, N64- oder GBA-Titeln ist ein vollständiges CIB-Exemplar zwei- bis viermal so viel wert wie dasselbe Spiel ohne Verpackung und Anleitung. Bei besonders seltenen Titeln ist der Unterschied noch größer.
Ja, definitiv. Retro-Konsolen wie SNES, N64, PlayStation 1 oder Game Boy werden auch ohne Spiele gesucht – besonders wenn Netzteil, Controller und Videokabel dabei sind. Eine vollständige Konsole mit Originalzubehör ist deutlich gefragter als eine Konsole allein.
Einzelverkauf lohnt sich, wenn die Sammlung seltene oder teure Titel enthält – der Mehrerlös kann erheblich sein. Bei Sammlungen mit vielen günstigen Standard-Titeln ist ein Paketverkauf an einen Fachhändler oft effizienter, weil der Aufwand für Einzellistings den möglichen Mehrerlös übersteigt.
Retro-Hardware oder Spiele? Ankauf anfragen bei Adler Kontor